Sonntag, 28. Juli 2013

Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Nation

Liebe Zeitgenossinnen und Zeitgenossen!


Damit hier bloß keine falschen Assoziationen aufkommen -> Ich bin gegen das Denken in „Nationalen“ Grenzen und gegen das Denken, dass wir uns als ein „Volk der Deutschen“ verstehen müssen. Ich finde es einfach falsch, Menschen durch ihre Geburt schon zu selektieren. Es ist eine unterschwellige Selektion, aber es ist eine Selektion und deswegen eine Selektion gegen die ich mich ganz eindeutig wehren werde.

Der große Martin Luther King sprach diesen Gedanken schon zum Teil aus, als er am 28. August 1963 in Washington D.C. eine bemerkenswerte Rede hielt:

»Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages diese Nation erheben wird und die wahre Bedeutung ihrer Überzeugung ausleben wird: Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: Alle Menschen sind gleich erschaffen.

Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.

Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und in der Hitze der Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandelt wird.

Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt.

Ich habe heute einen Traum!«

Martin Luther King spricht in dieser Rede natürlich vor allem die angeblichen „Nation der US-Amerikaner“ an und bleibt damit in einem von menschen-gemachten Raum. Auch wenn er „Alle Menschen sind gleich erschaffen“ sagt, geht es ihm vor allem um die Verbesserung der Situation in den USA. Ich mache ihm das nicht zu einem Vorwurf. Ich will nur, dass ihr meinen Punkt, den ich daran anschließen möchte, versteht, denn auch ich kann mich nicht komplett frei machen von meiner sogenannten „nationalen Herkunft“:

Leider Gottes, bin ich auch ich hier auf „deutschem Staatsgebiet“ geboren und habe Eltern und Großeltern, die auch auf „deutschem“ Staatsgebiet geboren sind, wobei meine Großmutter, wenn sie heute geboren wäre, als „polnische Staatsbürgerin“ aufwachsen würde. Alleine aus diesem Beispiel zeigt sich aus meiner Sicht die willkürliche Zusammensetzung einer Nation, wenn man nur von einer Gebietsnation spricht.  Aber auch die weiteren Nationenbegriffe sind für mich fast ausnahmslos als schlecht zu bewerten. Die angebliche Kulturnation, die bestimmte Werte mit Sprache verbinden, ist genauso falsch. Es ist zwar eine menschliche Eigenart dies zu tun, aber damit noch keine richtige. Auch die Geschichtsnation sehe ich schwierig, denn wieso soll ich mich als einer der in seiner Familienhistorie mehrere Missionare hatte, die sich ihrem Land und den dort lebenden Menschen, in das sie geschickt wurde, am Ende so verbunden fühlte, dass sie auch daran zerbrochen sind, dass sie das Land aufgrund von Krankheit und einer Verletzung verlassen bzw. nicht wieder hinreisen konnten, mich mehr mit der Geschichte irgendwelcher „Deutscher“ verbunden fühlen, die in Garmisch-Patenkirchen in Bayern um die Jahrhundertwende 19/20.Jahrhundert als Bauern gelebt haben und mit meiner persönlichen Familienhistorie nie in Verbindung gekommen sind. Ich will damit auf keinen Fall die persönlichen Verwicklungen meiner „Vorfahren“ z.B. mit der Ideologie des Nationalsozialismus gut reden. Mein Großvater war begeisterter „Jungvolk“ (Nazi-Organisation von 10-14 Jahre)-Führer und wollte noch kurz vor Kriegsende als gerade einmal 16jähriger Jugendlicher noch in die Waffen-SS eintreten. Zum Glück kam es nicht mehr zu seiner Einberufung im Mai 1945, da er sich da schon als Mitglied des Reichsarbeitsdiensts in „britischer“ Gefangenschaft befunden hat. Ich für meinen Teil bin froh, dass ihm und uns diese Einberufung vermieden wurde. Ich danke deswegen auch allen Soldaten aus allen Ecken und Enden der Welt, die das „Volk der Deutschen“ was sich so vor der Welt abgeschottet und sich über alle anderen gestellt hatte, in diesem grausamsten Krieg  aller Zeiten besiegt haben.

Ich für mein Teil fühle mich dort mit der Geschichte einer menschlichen Gruppe verbunden, wenn ich eine persönliche Beziehung zu dieser habe, z.B.

- zu den Bewohner des kleinen Örtchen Elim in Südafrika, da ich da 1 Jahr gelebt und gearbeitet habe,

- zu den Bewohnern des kleinen Örtchen Königsfeld im Schwarzwald, weil dort meine Großeltern jahrzehntelang gelebt und gearbeitet haben und wir nach wie vor jährlich an Ostern die inzwischen verwitwete Großmutter besuchen,

- den Bewohner der Stadt Hamm, da ich dort 19 Jahre meines Lebens gelebt habe,

- den Bewohner der wunderschönen Stadt Krakau in Polen, da ich dort einen der schönsten gemeinsamen Urlaube mit meinen Eltern verbracht habe, der mich aber auch an den Ort der größten Unmenschlichkeit: Auschwitz geführt hat, der mir gerade als noch Junge im Teenie-Alter die Wichtigkeit eines Einsatzes für alle Menschen vor Augen geführt hat,

- den Fußballspielern in Deutschland, da ich selber 9 Jahre lang Fußball in Vereinen in Deutschland gespielt habe,

- zu allen Menschen in Südafrika und Tansania, da dort meine Vorfahren gewirkt, gelebt und gearbeitet haben

- den Rugbyspielern und Vereine in Südafrika, da ich dort diesen Sport kennen und lieben gelernt habe,

- der Handballnationalmannschaft, da der Traum meines Vaters es gewesen war, Handball professionell zu spielen, dann aber leider sein Wachstum aufgehört hat,

- trotz allen persönlichen Problemen zu den Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und aller anderen sozialdemokratischen Parteien in der Welt, da ich selber als 14jähriger in diese Partei in Deutschland eingetreten bin und es nach wie vor meine erste politische Heimat ist,

- allen Mitgliedern der weltweiten kirchlichen Gemeinschaft, die sich den Namen „Unitas Fratrum“ (Brüder-Unität) gegeben hat, da meine familiären Wurzeln bis zur Gründung der erneuerten Brüder-Unität in Herrnhut (Sachsen) im 18.Jahrhundert zurückreichen und deswegen eine familiäre Linie immer Mitglied dieser Kirche war und ist und es daher auch zu meiner geistige Heimat geworden ist,

- zu allen Christen in jedem Land dieser Welt, da ich mich selbst als Christ verstehe, getauft und konfirmiert wurde und ich mich in der christlichen Arbeit engagiere,

- und nicht zuletzt muss ich mich der Geschichte des Staates Deutschland verbunden fühlen, da ich selber (Stand: 28.07.2013) „deutscher“ Staatsbürger bin und damit nach außen, wie nach innen für jeden ersichtlich an meinem Pass diesem Staat angehöre, mit allen Rechten und Pflichten, mit allen Privilegien und Zwänge und natürlich auch mit der Geschichte dieses Staates.

Aber wie man an meiner Auflistung sehen kann, die ich noch um einige Punkte länger machen könnte, zeigt sich das ich nach der Definition der Nation als Personengruppe mit gemeinsamer Geschichte, ich mich nicht nur einer Nation „Deutschland“ zugehörig fühlen müsste und will, sondern allen Nationen, in denen Christen leben, besonders dann auch zu den Nationen, in denen Mitglieder meiner geistigen Heimat (Brüder-Unität), meiner politischen Heimat (Sozialdemokratische Partei) und meiner persönlichen Heimat (Familiengeschichte und persönlichen Erlebnisse) leben. Damit habe ich glaube ich schon eine Menge Nationen abgedeckt und dazu kommen noch die Nationen, denen der „deutsche Staat“ Schaden zugefügt hat, da das aus meiner Sicht ein Ausdruck der gemeinsamen Veranwortungsübernahme „deutscher“ Staatsbürger zeigt.

Gerade an diesem Punkt will ich zum Ausdruck bringen, warum ich Staatsbürgernationen per se nicht ablehne, wenn sie nicht auf irgendeinem komischen willkürlich ausgewählten Grund wie Hautfarbe, Sprache, gemeinsamer Geschichte, gemeinsamer Kultur, gemeinsamer Tradition usw. beruhen. Es liegt daran, dass wenn jeder Mensch sich nach Studien der Umwelten für eine Nation entscheidet, die ihm/ihr ein Kontakthalten mit der Familie und der Sippe, die ihm/ihr Freundinnen und Freunde ermöglicht und die ihm/ihr einen Lebenspartner oder Lebenspartnerin ermöglicht, fände ich es gut, wenn er dann in dieser Nation leben könnte. Außerdem wenn diese Nation und ihr leider oftmals auch willkürliches Staatsgebiet, die aus seiner oder ihrer Sicht die schönste Natur, die seiner politischen Überzeugung am ehesten entsprechenden Werte und/oder ihm/ihr einen sicheren Arbeitsplatz bietet. Das sind nur einige der Beweggründe von Menschen ihre geographischen Herkunftsorte zu verlassen und anderswo neu zu beginnen. Wir tun nur leider in einer doch eigentlich so globalisierten Welt so, als ob wir diesen dynamischen Prozess regulieren oder gar verhindern könnten. Für ein Stopp dieser Entwicklung müsste man alle technischen Errungenschaften zerstören. Vom Auto bis zum Flugzeug, vom Telefon bis zum PC usw.. Das will keiner! Aber dennoch geben wir uns in unserem unmenschlichen Wirtschaftssystem der Illusion hin, dass wir zunächst an unsere Nation denken müssten anstatt an alle. Ich halte dieses Denken für sehr, sehr gefährlich und es beginnt leider schon mit den ganzen „nationalen“ Klischees, die ein jeder/ eine jede von uns in seinem/ihren Kopf mit sich trägt  Gefährlich werden diese Klischess ab dem Zeitpunkt, wo wir sie für eine eigene Argumentation missbrauchen und wo wir sie für politische Ziele nutzen. 

Ich mache nun einen kleinen Sprung zu einem Theologen und Philosophen, der mir bestimmt in manchen sehr entschieden widersprochen hätte, obwohl er auch seinen geographischen Herkunftsort und da wird es nun wieder bemerkenswert schwierig den schon einzuordnen. Zur Zeit seiner Geburt war Starzeddel ein Landkreis (Guben) in der brandenburgischen Niederlausitz und damit dem Deutschen Reich zugehörig. Heute ist dieser Landkreis in einen „polnischen“ und „deutschen“ Teil gespalten. Der Geburtsort würde heute im polnischen zu finden sein, aber zu seiner Zeit war er deutsch!
Ich möchte über einen weiteren Gedanken von Paul Tillich sprechen, den ich wenn auch christlich-theologisch konnotiert, für sehr gut geeignet halte, eine anderen Zugang zu einander zu fühlen, als unüberwindbare Grenzen zu bauen, die wirklich erst fremdes entstehen lassen. Aber kein Mensch soll und darf dir fremd werden, da wir immer einen gemeinsamen Ursprung und einen gemeinsames Ziel haben. Paul Tillich zeigt das Spannungsfeld zwischen Verneinung einer Zusammengehörigkeit und des Strebens nach Wiedervereinigung des gegenseitig fremden:

„Ohne eine letzte Zusammengehörigkeit läßt sich keine Vereinigung eines Seienden mit einem anderen Seienden denken. Das einander absolut Fremde kann keine Gemeinschaft eingehen. Wohl aber strebt nach Wiedervereinigung, was sich gegenseitig fremd geworden ist. In der liebenden Freude über den Anderen ist auch die Freude über die eigene Seinserfüllung durch den Anderen gegenwärtig. Was mir aber absolut fremd ist, kann nicht zu meiner Seinserfüllung beitragen; es kann mich nur zerstören, wenn es in den Kreis meines Daseins eindringt. Darum kann die Liebe nicht als die Vereinigung des sich Fremden betrachtet werden, sondern nur als die Wiedervereinigung des Entfremdeten. Entfremdung setzt ursprüngliches Einssein voraus.“

Die Vorstellung des ursprünglichen Einssein der Menschen muss mit dem wieder zueinander finden aller Menschen verbunden werden und dafür braucht es nach Tillich und ich gehe mit ihm da sehr gerne mit, nicht nur Liebe, sondern auch Macht und Gerechtigkeit. Denn „machtlose Liebe“ bewirkt nichts, und „lieblose Macht“ bewirkt nichts gutes! Der wichtige Aspekt finden wir aber in der Gerechtigkeit und dort stellt uns Paul Tillich drei Daseinsformen der Gerechtigkeit vor, von denen vor allem die dritte gerne vergessen wird:

1. Die Ansprüche aller Menschen an Güter und Versorgung erkennen -> Chancengerechtigkeit

2. Eine zumessende Gerechtigkeit, die sich in einer austeilenden Gerechtigkeit (Bsp. Bestimmten Lohn für bestimmte Arbeit in einem bestimmten Zeitraum) und ausgleichender Gerechtigkeit (Bsp. Progressive Besteuerung höherer Einkommen) seinen Ausdruck findet.

3. Schöpferische Gerechtigkeit mit ihren drei Daseinsformen: Zuhören, Schenken und Vergeben. Gerade die letzte wird häufig vergessen, aber gerade diese kann im Zusammenspiel mit den beiden anderen, wie wir es z.B. an der Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika sehen konnten, ein erneutes Blutvergießen verhindern und damit einen Beitrag zu einem friedlichen Wandel leisten.

Ich träume daher von einer Welt, in der wir jedem Mensch seine individuelle Verbundenheit mit einer geistigen, einer politischen und einer persönlichen Heimat zubilligen, aber diese nicht als Antithesen nebeneinander betrachten, sondern die Synthesen immer wieder versuchen.

-> Das Element des Zuhörens drückt sich dann darin aus, dass man einen Dialog mit anderen Menschen, die anderen Heimaten haben, nicht ablehnt.

-> Das Element des Schenken drückt sich darin aus, dass man sich beschenken lassen kann, durch verschiedene Impulse, dass man selbst schenkt, in dem man Impulse gibt und das man versucht dieses Geben und Nehmen zu sehr in eine Seite zu lenken.

-> Das Element des Vergebens drückt sich darin aus, dass man auch wenn man sich durch seine unterschiedlichen Herangehensweisen, Meinungen, Handlungen usw. in die Haare bekommen hat, den anderen nicht sein Menschsein, seine Identität und vor allem nicht seine Heimaten in Frage stellt, denn das führt nur zu einer stetigen Entfremdung, die schwer wieder zueinander finden wird.

Zum Abschluss dieser Rede will ich noch Jakob Augstein zitieren, der in einer aus meiner Sicht sehr bemerkenswerten Kolummne unter dem Titel: „Die Jesus-Alternative“ folgende Sätze aufgeschrieben hat:
In der Krise wird deutlich, dass Kapitalismus und Neoliberalismus keine Hoffnung bereithalten. Es sind dystopische Ideologien. Im säkularen Zeitalter wäre es die Aufgabe der Politik, ihnen mit der Kraft der Utopie zu begegnen. Aber die Politik versagt."
und der Schlusssatz lautete: "Nur das Radikale ist realistisch.

Also lasst uns mit der radikalen Idee der Einheit alles Leben auch dem nationalen Gehabe unserer Regierenden entgegentreten und uns zu Diener unseres Sein-Selbst machen. Im Bewusstsein dieses Gedanken der Einheit alles Lebens können wir den Weg bahnen zu einer Versöhnung aller Menschen und damit zur wirklichen radikalen Veränderung unserer doch so schönen Welt mit diesen vielen tollen Menschen und kreativen Dingen.

 „Nicht im Reden, nicht im Denken, sehe ich seine Größe, nur im Tun, im Leben“ (Hermann Hesse)

Ich schließe mit den herzlichsten Wünschen an einen jeden / an eine jede von euch!
Euer Visionär92

Ps: Wer Rechtschreibfehler oder sonstige sprachliche Fehler findet, kann gerne die Korrektur in einem Kommentar anmahnen.

Sonntag, 2. Juni 2013

Nachdenkliches zum Sonntag: Schöpferische Gerechtigkeit

Schöpferische Gerechtigkeit –
 Ein frommer Wunsch oder konkrete politische Handlungsmaxime?

Ich habe mich bis vor einigen Wochen oft gefragt, wie man diese Welt ändern könne?
Die einen wollen vollkommene ausgleichende Gerechtigkeit durch die hohe Besteuerung von höheren Einkommen, die anderen wollen, dass die Zuteilende Gerechtigkeit die einzige Maxime im Wirtschaftsleben bleibt. Zuteilende Gerechtigkeit ist mit der Lohnverteilung hier gleichzusetzen. Doch beides fasst zu kurz, da sie zwei Gerechtigkeitsformen unter den Tisch fallen lassen:
1) Das jeder Mensch von Geburt an Ansprüche auf eine ausreichende Güterversorgung hat, damit er/sie den nächsten Tag erleben kann und
2) Die Schöpferische Gerechtigkeit, die neben diesen Ansprüchen und den dynamischen Prozessen eine menschliche Perspektive mit hinein bringt! Es findet sich schon in der Bibel ein Gleichnis, dass genau dies zum Ausdruck bringt.


Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, Matthäus 20, 1-16:
(nach der Übertragung der „Hoffnung für alle“ – Bibel / Markierte Stelle durch Redaktion):

1 »Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb.
2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn (Anmerkung: „einen Silbergroschen“ / Luther-Übersetzung oder „von einem Silberstück“/Gute Nachricht) oder „auf einen Denar für den Tag“) und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten
3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren.
4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn.
5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. 
6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: „Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?“
7 „Uns wollte niemand haben“, antworteten sie. „Geht doch und helft auch noch in meinem Weinberg mit!“, forderte er sie auf. 
8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: „Ruf die Leute zusammen, und zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!“ 
9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. 
10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn. 
11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern: 
12 „Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!“ 
13 „Mein Freund“, entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, „dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? 
14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie dir. 
15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?
16 Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten“«

Euch ist sicherlich aufgefallen, dass ich im Vers 2 neben der Übertragung des Bibeltextes aus der „Hoffnung für Alle“-Bibel auch andere Übertragungen und die Luther-Übersetzung von Luther (in der revidierten Fassung von 1984) mit dazu geschrieben habe. Das hat einen bestimmten Grund für die sozialgeschichtliche Auslegung und auch um Jesus radikale Idee des Sozialen zu verstehen, braucht man eine Vorstellung davon, um was es gerade eigentlich geht. Es geht hier wirklich um die Sicherung der Grundbedürfnisse der betreffenden Arbeiter. 


Wären die letzten Tagesarbeiter, die der Herr vom Markt holt, nicht mehr zu einem Lohn gekommen, so wäre für sie ein Mangel eingetreten. Sie hätten Hunger gehabt, ohne ihn sättigen zu können, sie hätten vielleicht keinen warmen Schlafplatz bis zum nächsten Tag gehabt, es wären auch ihre Familie in Mitleidenschaft gezogen worden und nicht zuletzt wäre ihnen damit die Sicherung ihrer Lebensgrundlagen vorenthalten worden. 

Der Herr des Weinberg, der ein Mensch mit ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden zu sein scheint, sieht die Not dieser Arbeiter auch mit seiner Frage: „Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?“, denn es handelt sich in diesem Gleichnis um Tagesarbeiter, die von Tag zu Tag leben und täglich um ihr Überleben arbeiten müssen. 

Ohne Arbeit und ohne Lohn bzw. ohne Versorgung der Grundbedürfnisse wäre die Arbeitskraft der betreffenden Arbeiter am nächsten Tag nicht mehr so hoch und falls dies dann wiederum wieder „Herren“ abhalten sollte sie für sich einen Tag arbeiten zu lassen, dann begänne der Teufelskreislauf, der im schlimmsten Fall zum Tod der Tagesarbeiter führen würde. 

Viele Menschen in Deutschland glauben, dass es solche Tagesarbeiter nicht mehr geben würde bzw. das höchste der Gefühle seien Saisonarbeiter. Aber wer einmal auf den Straßen Kapstadts unterwegs gewesen ist, weiß, dass es diese Art der Arbeitsbeschaffung nach wie vor gibt. Auch wenn sie vom Staat nicht erwünscht ist und auch von der Polizei verhindert werden soll, treffen sich an vielen Vormittage schon früh die ersten Arbeiter an bekannten Straßenecken und warten, dass ein Auto mit Ladefläche anhält und sie für einen Tag irgendwelche Arbeiten machen können. 

Sie vereinbaren dann auch meist mit dem Besitzer des Autos oder des Klein-LKWs den Lohn für den Tag und es geht auch hier meist darum die Versorgung bis zum nächsten Tag sicher zu stellen. Durch solche Arbeitsverhältnisse sind Stigmatisierungen und Diskriminierungen an der Tagesordnung, da man aus diesen Arbeitsverhältnissen nur durch viel Glück wieder herausfinden kann. Genauso fühlten sich die Arbeiter, die zuletzt im Gleichnis vom „Herrn des Weinbergs“ geholt worden sind. Für sie ging es darum möglichst noch einen kleinen Geldbetrag zu bekommen, den sie eigentlich für die eine Stunde von anderen „Anbietern“ bekommen würden. 

Wie überrascht und vielleicht auch glücklich müssen sie gewesen sein, als der Herr des Weinbergs ihnen den vollen Tageslohn ausgezahlt hat. Mit diesem Tageslohn ausgestattet, war ihre Versorgung und die ihrer sehr wahrscheinlich auch vorhandenen Familie gesichert.

Für mich ist dieses Gleichnis ein sehr guter Beweis, wie neben der austeilenden und auch ausgleichenden Gerechtigkeit, die beiden anderen Gerechtigkeitsformen des Anerkennens des unumstößlichen Anspruchs auf Versorgung eines jeden Menschen und des Üben von Schöpferischer Gerechtigkeit wichtig ist. Aber lasst mich euch noch erklären, was ich mit Schöpferischer Gerechtigkeit meine. Nach der Definition von Paul Tillich, eines Theologen und Philosophen, ist Schöpferische Gerechtigkeit, die „Daseinsform der wiedervereinigenden Liebe“. Nur durch sie kann die durch die Liebe aufgehobene Trennung, sprich die Wiedervereinigung des Getrennten bewahrt werden. Dafür sind drei spezielle Handlungsformen notwendig:

1) Zuhören: Wir müssen uns auf den anderen einlassen, seine Sorgen und Nöte ernst nehmen, mit ihm zusammen leben und uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Wir werden erst am Du zum Ich und wer dem Du zuhört, wird sein Ich auch weiter entwickeln.

2) Schenken: Falls wir einen Überfluss haben, dann sollten wir unseren Überfluss nutzen, um Mangel aufzuheben bzw. Mangelstrukturen abzubauen.  Schenken kann man aber nicht nur im Sinne materiellem Schenkens sehen, sondern auch im ideellen Bereich, wie Zeit schenken, jemanden Raum geben, sich mit Dingen beschäftigen und last but not least auch sich beschenken zu lassen.

3) Vergeben: Die nach Tillich paradoxeste und schwierigste Form, da sie viel Selbstkontrolle und Selbsttranszendenz erfordert. Bei Gott können wir unseren ganzen Frust über Mitmenschen lassen, wir können uns ihm ganz hingeben und uns „neu machen“ lassen. In Hesekiel 36, Vers 26 heißt es:  „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ Diese Zusage gilt es ernst zu nehmen.  Für mich war diese Erkenntnis sehr prägend in der Zeit meines Freiwilligendienstes in Südafrika. Ich habe dort mit Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung gearbeitet und wenn ich dort nicht den Kindern und Jugendlichen Tag für Tag ihr Fehlverhalten auch vergeben hätte und jeden Tag für sich betrachtet hätte, wäre ich, glaube ich, nicht versöhnt mit diesen Kindern und Jugendlichen wieder nach Hause geflogen.

Dieser Schritt ist wichtig zu verstehen: Nur durch genaues Zuhören, der Bereitschaft zu schenken und des Üben von Vergebung ist Versöhnung  in unserer doch so zerstrittenen Gesellschaft möglich. Für unsere unerlöste Welt ist das auch eine Perspektive sich zusammen auf die Suche zu machen, wie wir mit diesem Ansatz unsere Welt ein Stück weiter in eine bessere Zukunft für alle schieben können.

Es darf kein frommer Wunsch bleiben, sondern muss unsere konkrete Handlungsmaxime als Christinnen und Christen in der Nachfolge unseres Herrn, Jesus Christus, sein!

Macht also mit!
                                                                                                                                              Visionär92


Mittwoch, 29. Mai 2013

Fundstück des Tages!

Zwar schon ein wenig älter, aber dafür nicht weniger aktuell:

Aus der Le Monde diplomatique, Ausgabe 10.05.2013: 


Der wahre Skandal
Soziale Ungleichheit untergräbt die Demokratie
von Serge Halimi

http://www.monde-diplomatique.de/pm/2013/05/10.mondeText1.artikel,a0011.idx,0

Ich zitiere die letzten beiden Abschnitte, empfehle aber die Lektüre des ganzen Textes:

"Aber die "faktische Diktatur" kann darauf zählen, dass die großen Medien für Ablenkung sorgen, durch die kollektive Revolten erst verzögert und dann umgeleitet werden; die schlimmsten Skandale werden personalisiert, und das heißt: entpolitisiert. Aufzudecken, wo die wahren Verantwortlichkeiten liegen für das, was passiert, aufzuklären, mit welchen Mitteln es einer Minderheit gelungen ist, die Reichtümer und die Macht an sich zu reißen, einer Minderheit, die die Märkte und die Staaten kontrolliert - das erfordert kontinuierliche Arbeit an der Bildung der Öffentlichkeit. Sie muss daran gemahnen, dass Regierungen, die hinnehmen, dass die soziale Kluft sich vertieft, die die Aushöhlung der Demokratie und die Einschränkung ihrer nationalen Souveränität zulassen, an Legitimität verlieren.


Jeden Tag gibt es Demonstrationen - auf der Straße, in den Betrieben, an den Wahlurnen -, bei denen die Ablehnung nicht mehr legitimierter Regierungen durch die Menschen offenbar wird. Obwohl die Krise so umfassend ist, tasten sie blind nach Möglichkeiten der Veränderung, teils im Glauben, es gäbe diese Möglichkeiten nicht, teils weil sie fürchten, der Preis dafür wäre zu hoch. Verzweifelte Erbitterung ist die Folge. Dafür muss dringend ein Ausweg gefunden werden."

Samstag, 25. Mai 2013

Die wichtigsten Schritte im Kopf:


Think global


Denke zuerst Global!

1. Alle Menschen unserer Welt
2. Dann der Kontinent, da jeder Kontinent Besonderheiten der gemeinsamen Geschichte und der ähnlichen Ressourcenversorgung aufzuweisen hat.
3. Dann an den regionalen Zusammenschluss
4. Dann an deine lokale Lebensgemeinschaft

Act local

Handle zuerst lokal!

1. Baue eine Grundversorgungsstruktur (Nahrung, Wasser, Wohnraum, Bildung, Gesundheit, Mobilität)  deiner lokalen Lebensgemeinschaft auf
2.Unterstütze einen regionalen Zusammenschluss
3. Helfe deinen (zu bildenden) kontinentalen Staat. => Soll die Nationalstaaten ersetzen!
4. Helfe durch Partnerschaft einer anderen lokalen Lebensgemeinschaft am besten auf einem anderen Kontinent und lass dir helfen durch diese! Lernt voneinander, besucht euch und handelt dann gemeinsam!

=> Das ist was ich euch mit auf den Weg geben kann!
=>Es ist ein schwieriger Weg im Kopf und ihr habt häufig mit Widersprüchen mit angelernten Dingen zu kämpfen, aber geht ihn weiter und bleibt handlungsfähig
= Lasst euch von niemand einreden, dass diese Welt nur noch in eine Richtung gehen kann!

Euer Visionär92




Mittwoch, 15. Mai 2013


Liebe Zeitgenossinnen und Zeitgenossen

In den vergangenen Tagen bin ich sehr mit persönlichen Entscheidungsprozessen beschäftigt und deswegen leidet mein konkretes politisches Engagement darunter. Natürlich kann man sich immer noch per Facebook und Twitter zu Wort melden und kurze Schlaglichter in die Gesellschaft tragen, aber natürlich ist das nicht dasselbe als sich hier im Blog zu Wort zu melden.

Ich will das heute tun, in dem ich euch drei großartige Zitate von drei großartigen Männern vorstelle:

1) Uwe Dittmer schreibt in einem mich sehr prägenden Buch: „ Die Utopie des Reich Gottes. Politik mit der Bibel“, das auch online als PDF abrufbar ist, folgende Sätze:

"Wenn also die Zukunft vorgestellt wird als eine solidarische Gesellschaft, dann darf heute nichts gefördert werden, was nur habgierischen Egoismus entspricht und dem solidarischen Miteinander entgegensteht. Alles Bemühen wird dann bereits heute auf dem Abbau von privilegierenden Strukturen gerichtet sein, auch wenn bis zum völligen Abbau Jahre und Jahrzehnte vergehen sollten. Aber es muss angefangen werden und die richtige Richtung ist entscheidend. Ein anderes Beispiel ist der Wille zu einem weltweiten Frieden. Wer das will, muss mit weltweiter Abrüstung und der Umgestaltung der Rüstungsindustrie beginnen und den weltweiten Waffenhandel abbauen. Nur so wird eine Richtung eingeschlagen, die am Ende zur Entwaffnung aller nationalen Armeen, zur Beendigung jeglichen Waffenhandels und zu einem dauerhaften Frieden führen kann."

-> Ich finde darin eine brillante Beschreibung für ein Engagement trotz aller Problematiken in der Welt. Es gibt einem die Gewissheit, dass auch das heutige tolle Engagement von Millionen anderen Menschen und von mir nicht vergeben ist.

2) André Gorz schreibt in seinem Buch "Abschied vom Proletariat" folgende Sätze: 

"Es geht nicht darum, sich einen transzendentalen Projekt zu widmen, das von Leiden erlöst und mit ihren Zinsen den Preis für unseren Verzicht zurückzahlt." 

-> Auch wenn ich hier als Anmerkung hinzufügen will, dass eine transzendentale Reflexion unseres Verhaltens sehr wichtig ist und da hilft zum Beispiel die Möglichkeit der Selbsttranszendenz / des Zurückkehren zum Ursprung zum Sein-Selbst/ zu Gott

"Nunmehr heißt es im Gegenteil zu klären, was wir wollen. Die Logik des Kapitals hat uns an die Schwelle der Befreiung geführt. Aber man kann sie nur mittels einer Zäsur überschreiten, die die produktivistische Rationalität durch eine andere Rationalität ersetzt. Einzig die Individuen selber können die Zäsur vollziehen. Das Reich der Freiheit wird nicht aus materiellen Prozessen resultieren; es kann allein aus einem Gründungsakt der Freiheit erstehen, der, als absolute Subjektivität verkündet, in jedem Individuum sich als höchstes Ziel setzt."

-> Auch wenn er sehr fachlich abgehoben schreibt, kann ich hier mit Gorz sehr gut mitgehen!

=> Empfehlen für eine Auseinandersetzung kann ich das Buch von Arno Münster: "Andre Gorz oder der schwierige Sozialismus. Eine Einführung in Leben und Werk" vom Rotpunktverlag

3) Albert Schweitzer 

In dem sehr guten Buch: „Albert Schweitzer. Ethik und Politik“ von Ernst Luther gibt es viele sehr hilfreiche Textpassagen. Ich will euch heute „nur“ einen Gedankengang vorstellen, den Dr. med. Horst-Peter Reichardt in seine Kurz-Rezension aufgenommen hat:

Schweitzer: „Die Ethik befindet sich nicht in Harmonie mit solchem Weltgeschehen, sondern in Auflehnung gegen es. Sie ist die Regung eines Geistes, der anders sein will, als der, der sich in der Welt kundgibt“. 


Luther: „Die Ethik Albert Schweitzers ist ein Störfaktor im Weltgeschehen“. 

Und deswegen will man sie vergessen machen. Aber wir brauchen sie zum „Anderssein als die Welt“ (Schweitzer). 

=> Das "Anderssein als die Welt" ist die grundlegende Handlungsmaxime der Christen, das ist die gesunde Radikalität Jesus Christus, wir haben durch seine Verbindung der sozialen Idee mit Gott uns ein Handlungsraum aufgemacht, in der wir für solidarisches Miteinander eintreten, die gemeinsame Grundlage (die ERDE!) bewahren und friedliches Miteinander vorleben!


-> Heute Abend gibt es eine Veranstaltung in Leipzig im Hörsaal Erdgeschoss der Theologischen Fakultät (Martin-Luther-Ring 3) um 17 Uhr zum Thema: „Albert Schweitzer - Idee und Programm“

=> Ich werde da sein, ihr auch?


Mit lieben Grüßen
Euer Visionär92

Drei Zitate und ein Tipp!


Liebe Zeitgenossinnen und Zeitgenossen

In den vergangenen Tagen bin ich sehr mit persönlichen Entscheidungsprozessen beschäftigt und deswegen leidet mein konkretes politisches Engagement darunter. Natürlich kann man sich immer noch per Facebook und Twitter zu Wort melden und kurze Schlaglichter in die Gesellschaft tragen, aber natürlich ist das nicht dasselbe als sich hier im Blog zu Wort zu melden.

Ich will das heute tun, in dem ich euch drei großartige Zitate von drei großartigen Männern vorstelle:

1) Uwe Dittmer schreibt in einem mich sehr prägenden Buch: „ Die Utopie des Reich Gottes. Politik mit der Bibel“, das auch online als PDF abrufbar ist, folgende Sätze:

"Wenn also die Zukunft vorgestellt wird als eine solidarische Gesellschaft, dann darf heute nichts gefördert werden, was nur habgierischen Egoismus entspricht und dem solidarischen Miteinander entgegensteht. Alles Bemühen wird dann bereits heute auf dem Abbau von privilegierenden Strukturen gerichtet sein, auch wenn bis zum völligen Abbau Jahre und Jahrzehnte vergehen sollten. Aber es muss angefangen werden und die richtige Richtung ist entscheidend."

-> Ich finde darin eine brillante Beschreibung für ein Engagement trotz aller Problematiken in der Welt. Es gibt einem die Gewissheit, dass auch das heutige tolle Engagement von Millionen anderen Menschen und von mir nicht vergeben ist.

2) André Gorz schreibt in seinem Buch "Abschied vom Proletariat" folgende Sätze: 

"Es geht nicht darum, sich einen transzendentalen Projekt zu widmen, das von Leiden erlöst und mit ihren Zinsen den Preis für unseren Verzicht zurückzahlt." 

-> Auch wenn ich hier als Anmerkung hinzufügen will, dass eine transzendentale Reflexion unseres Verhaltens sehr wichtig ist und da hilft zum Beispiel die Möglichkeit der Selbsttranszendenz / des Zurückkehren zum Ursprung zum Sein-Selbst/ zu Gott

"Nunmehr heißt es im Gegenteil zu klären, was wir wollen. Die Logik des Kapitals hat uns an die Schwelle der Befreiung geführt. Aber man kann sie nur mittels einer Zäsur überschreiten, die die produktivistische Rationalität durch eine andere Rationalität ersetzt. Einzig die Individuen selber können die Zäsur vollziehen. Das Reich der Freiheit wird nicht aus materiellen Prozessen resultieren; es kann allein aus einem Gründungsakt der Freiheit erstehen, der, als absolute Subjektivität verkündet, in jedem Individuum sich als höchstes Ziel setzt."

-> Auch wenn er sehr fachlich abgehoben schreibt, kann ich hier mit Gorz sehr gut mitgehen!

=> Empfehlen für eine Auseinandersetzung kann ich das Buch von Arno Münster: "Andre Gorz oder der schwierige Sozialismus. Eine Einführung in Leben und Werk" vom Rotpunktverlag

3) Albert Schweitzer 

In dem sehr guten Buch: „Albert Schweitzer. Ethik und Politik“ von Ernst Luther gibt es viele sehr hilfreiche Textpassagen. Ich will euch heute „nur“ einen Gedankengang vorstellen, den Dr. med. Horst-Peter Reichardt in seine Kurz-Rezension aufgenommen hat:

Schweitzer: „Die Ethik befindet sich nicht in Harmonie mit solchem Weltgeschehen, sondern in Auflehnung gegen es. Sie ist die Regung eines Geistes, der anders sein will, als der, der sich in der Welt kundgibt“. 


Luther: „Die Ethik Albert Schweitzers ist ein Störfaktor im Weltgeschehen“. 

Und deswegen will man sie vergessen machen. Aber wir brauchen sie zum „Anderssein als die Welt“ (Schweitzer). 

=> Das "Anderssein als die Welt" ist die grundlegende Handlungsmaxime der Christen, das ist die gesunde Radikalität Jesus Christus, wir haben durch seine Verbindung der sozialen Idee mit Gott uns ein Handlungsraum aufgemacht, in der wir für solidarisches Miteinander eintreten, die gemeinsame Grundlage (die ERDE!) bewahren und friedliches Miteinander vorleben!


-> Heute Abend gibt es eine Veranstaltung in Leipzig im Hörsaal Erdgeschoss der Theologischen Fakultät (Martin-Luther-Ring 3) um 17 Uhr zum Thema: „Albert Schweitzer - Idee und Programm“
=> Ich werde da sein, ihr auch?


Mit solidarischen Grüßen
Euer Visionär92

Dienstag, 7. Mai 2013

Drei Tipps!

1) Lest das Interview mit dem wachen Geist Georg Schramm
http://www.neopresse.com/gesellschaft/georg-schramm-im-interview-gegen-jauch-wurde-ich-zur-bundesprasidentenwahl-antreten/

2) Hört euch dazu oder danach Rumpelkopf Zusammenstellung an Musik an:
https://soundcloud.com/rumpelkopf-1/tobenderrumpelkopf

3) Ich habe als Visionär92 schon viel in meinem Leben geschrieben, aber es fehlt an Diskussionen unter meinen Beiträge. Ich ermutige euch einfach mal anzufangen einen Eintrag zu kommentieren. Denn Gespräche sind auch ein Motor unserer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung!

Liebe Grüße
euer Visionär92

Ps: Ich befinde mich auf der Suche nach einer neuen politischen Heimat. Freue mich über ernstgemeinte Vorschläge!